Künstler: Winfried Hänel
Zur Ausstellung laden wir Sie und alle Kunstinteressierten sehr herzlich ein.
Text von Dr. Jördis Lademann
Kunst mit der Kettensäge! Da denkt man an grobe Skulpturen aus Holz. Aber Bilder mit der Säge malen? Und »Biorelle«? Wie geht das?
Der Dresdner Künstler Winfried Hänel, der als jahrzehntelanger Mitarbeiter und Designer im Institut für Holztechnologie Dresden eine große Affinität zum Werkstoff Holz hat, schreibt: »Es geht darum, durch sensible Führung der Kettensäge Oberflächenstrukturen in Holzwerkstoffplatten zu erzeugen und sie als Ausdrucksträger für die Bildgestaltung zu nutzen. Diese Art des Umgangs mit der Kettensäge ist eigentlich kein Sägen, sondern eher ein Kratzen, Schaben oder Schlagen, das durch farbliche Behandlung der Flächen ergänzt wird.«
Um 2013 hat er diese Technik für sich entdeckt und sie bis ins Jahr 2020 in verschiedenen Nuancierungen weiterentwickelt. Trotz des hohen Abstraktionsgrades, den die Methode mit sich bringt, sprechen inhaltlich- thematische Bezüge zur Gegenwart mit teils schmerzhafter Eindringlichkeit verschiedene globale Probleme unserer Zeit an.
Ganz anders in Optik und Haptik präsentieren sich die kleinerformatigen »Biorelle«, mit denen Hänel seit den eingeschränkteren Corona-Jahren experimentiert. Rotweinreste, Kaffee und kleine Pinsel, später Essig, Zitrone, Milch und andere »biologische« Materialien reizten ihn – ohne Farbtöpfe und Tuben - aquarellartig auf Papier zu malen. Neben der lockeren Dynamik der einzelnen Blätter, die unübersehbar den Wunsch nach menschlichen Begegnungen vermitteln, überrascht die farbliche Brillanz und Differenziertheit. Doch wie das Leben so spielt, beginnen die »lebendigen« Farben rasch, sich zu verändern und zu verbraunen, greift die Zeit als vierte Dimension in den Prozess ein. Doch die Motive in ihrer gestischen Bewegtheit bleiben dank der Intensität des Pinselschlags in Hell- und Dunkeltönen erhalten. Wie lange noch? Digital dokumentiert und abrufbar, werden die verschiedenen Stadien der Originale wohl nur für wenige Jahre von der Vergänglichkeit unseres momentanen Lebensgefühls zeugen.
Eröffnung: Sonntag, 28. Juni 2026, 11:00 Uhr im Festsaal des Schlosses Reinhardtsgrimma
Begrüßung: Matthias Rau, Schloss Reinhardtsgrimma
Einführung: Dr. Jördis Lademann, Dresden
Musik: Alejandro León Pellegrin (Gittare, Gesang)
Ausstellungsdauer vom 28. Juni 2026 bis 30. Oktober 2026